INTERVIEW MIT PRALLA PRÄSIDENT

"Wir sind alle eins, Pralla!"
 
Mit ihrem neuartigen Gemisch aus Balkan-Musik und deutschem Sprechgesang sorgt das achtköpfige Prallasoundsystem aus Mannheim derzeit für ordentlich Furore und frischen Wind im Musikgeschehen. Hip Hop, Funk, Jazz und Pop treffen auf die musikalischen Traditionen des Balkans und der Roma und ergeben den unverwechselbaren und einzgartigen "Pralla Sound"! Anlässlich ihrer am 06.03.2015 erscheinenden Debut-EP "Imigranti" sprach Gypsy Music Network mit dem Gründer und Frontmann Pralla Präsident über die Entstehung der Band, seine Balkanroots und wie man zu einem echten Pralla wird...
 
 pralla präsident 1
 
 
Hi Pralla. Bitte stell dich vor. Wer ist Pralla Präsident und wer ist das Prallasoundsysten?
 
Pralla bin ich (Pralla Präsident) und mein Partner Kenan Singoli aus Bonn. Wir beide produzieren und schreiben die Songs. Prallasoundsystem ist die Band. Wir sind insgesamt 8 Leute, haben bei Live-Shows aber hier und da auch mal eine größere Besetzung und kommen dann auf 12 bis 15 Leute. Meistens sind wir aber zu 8 unterwegs, sonst wird es zu teuer für die Booker.
Für die Leute die es vielleicht noch nicht wissen, erklär uns mal was ein Pralla ist.
Für mich ist Pralla eine schöne Art der Verbindung, ein Lebensgefühl, eine Lebenseinstellung. Selbst ein Gebäude, ein Geruch usw. können Pralla sein. Du läufst an einem Haus vorbei dass dich auf irgendeine Weise beeindruckt und sagst, "Schau dir dieses Pralla Gebäude an!" oder du sagst, "Schau mal, der sieht aus wie ein richtiger Pralla!". Benutze dieses Wort einfach mal ein Jahr und dann sag Du mir was Pralla bedeutet! (lacht)
Pralla ist, wie die unterschiedlichen Menschen in der Band sind und wie sie zu einander gefunden haben - frei von Vorurteilen und offen die Gemeinsamkeiten musikalisch zu finden. Egal welche Hautfarbe du hast, wo du herkommst oder welche Sprache du sprichst, wir sind alle eins, Pralla!
 
Das ist ein Statement! Wie lange macht ihr schon zusammen Musik und wie habt ihr euch kennengelernt?
 
Wir sind jetzt bald 3 Jahre gemeinsam unterwegs. Am Anfang hab ich an jeden Proberaum von Tübingen bis Stuttgart Zettel hingehängt mit der Aufschrift "Ich suche eine Band, die bereit ist neuartige Musik zu spielen" (lacht). Ich wußte nicht, was ich drauf schreiben sollte, weil ich ja auch nicht verraten wollte, dass ich jetzt Balkan-Hip Hop mache. Es hatten sich auch ein paar ein Musiker gemeldet, und (sorry!) es war katastrophal. Dennoch war ich dankbar und bin es immer noch, dass sie da waren. Auf der weiteren Suche kam ich dann mit einem Mannheimer Musik-Professor in Kontakt, und der hat mich und Benjamin Gerny zusammengebracht. Als Benjamin das erste Mal zur Probe kam, war ich total verblüfft! Ich hatte ihm, wie allen vorher auch, die Songs geschickt. Als er im Proberaum ankam, packte er ein kleines Heft aus in dem die ganzen Songs in Noten geschrieben standen und legte direkt los. Das war neu, aber genau die Professionalität die ich gesucht hatte! Und so wie er die Songs spielte, hätten wir noch am selben Abend auftreten können. Am späten Abend rief er mich begeistert an und fragte vorsichtig, ob ich schon schlafen würde. "Nein Benni, ich bin Musiker und nachts arbeite ich sehr gerne", meinte ich zu ihm. Er erzählte mir von anderen Musikern die gut in das Projekt passen würden und ob ich sie mal hören würde. Ich stimmte natürlich freudig zu. Schon am nächsten Tag ging die Post ab, lauter Musikhochschüler, Menschen die ihr Instrument studierten wollten dabei sein! Benni organisierte weiter die Band und wir probten viel. Nicht mehr im Stil von Samples aussuchen etc., sondern mit einer richtigen Band am Groove, an der Intensität, am Ausdruck arbeiten. Was für eine Freude! Währenddessen komponierten Kenan und Ich fleißig neue Songs. Wir alle waren hungrig unseren Sound, diese schöne neue Mischung, auf die Bühne zu bringen - das Prallasoundsystem war geboren! Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle nochmals bei Keno Seferagic und Stefan Sturm von Jiggy Joint, die mich in der Zeit des Aufbaus tatkräftig unterstützt und beraten haben.
 
Wie bist du zum rappen gekommen? Man hört ja, dass du das nicht erst seit zwei Wochen machst.
 
Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich mit dem schreiben und rappen angefangen. Ich hörte englischsprachigen Rap und Hip Hop und habe damals auch auf Englisch gerappt. Stift und Papier wurden meine täglichen Begleiter. Mit 16 (Ich gab mit natürlich als Erwachsener aus!) begleitete ich Stefan Sturm aka Storm zu einem Auftritt in einen Club. Dort drückte er mir sein Mikrophon in die Hand und fragte mich, ob ich kurz für ihn das hosten übernehmen könnte. Ich war stolz und habe sofort losgelegt. Er lobte mich, gab mir Tipps und lies mich so meine ersten Erfahrungen als Hoster vor Publikum sammeln. Er fragte, was ich die nächsten Wochenenden vorhätte. "Nichts", antwortete ich und begleitete ihn nun regelmäßig von Disco zu Disco. Bezahlt wurde ich dafür auch! DJ Bombastico, der damalige Tour DJ von Afrob, rief mich dann eines Tages an und meinte: "Schau mal auf die Ghosttown DJ Homepage". Dort war auf einmal ein Profil von mir und ich war ein Ghosttown MC geworden. Mir war damals gar nicht richtig bewusst, was das bedeutet. Aber ich war dabei mit Musik und ich liebte es! Ich hostete also und nahm nebenbei etliche Songs auf. Mein erstes großes Mixtape hieß "Internationaler Staub". Auf dem waren DJ Bombastico, DJ Yooter ein Heavy Hitter DJ und Jesse Al-Malik von den legendären Furious 5 dabei.
Ich liebe bis heute das Rappen, nur musikalisch war mir der klassische HipHop irgendwann nicht mehr genug. Fette Beats auf einem MPC zu bauen ging schnell, aber mir fehlte das lebendige, das Gefühl handgemachter Musik. Meine Stimme war das erste Instrument, und eigentlich wollte ich wohl schon immer mehr Instrumente und Musiker für meine Ideen und zu meinen Rap.
 
Was sind in diesem Bereich deine Idole, welche Rapper haben dich am meisten beeinflusst und gibt es jemanden mit dem du gerne zusammenarbeiten würdest?
 
Ich hatte nie irgendwelche Rapper bzw. Musiker oder Sportler als Idole. Meine Vorbilder, meine Inspiration waren immer die Propheten. Wenn es mir schlecht geht, wenn ich nach einer Lösung suche, frage ich mich immer, was hätten die Propheten in meiner Lage getan. Es gibt aber etliche Kollegen, die ich für ihre Musik liebe und vor deren Leistung ich Respekt habe. Mit einigen bin ich in Kontakt für kommende gemeinsame Projekte. Wer das ist, bleibt aber vorerst ein Geheimnis (grinst).
 
Wie kommt man eigentlich überhaupt dazu zwei so unterschiedliche Genres miteinander zu verbinden, Balkan-Musik und Hip Hop?
 
Ich hatte über lange Jahre keinen Kontakt zu meiner Familie. Eines Tages stand mein Onkel Beko vor der Tür, packte mich ins Auto und nahm mich mit nach Novisad. Dort hörte ich das erste Mal echte Balkan Musik. Die Klänge, der Rhythmus, die Texte, das weinende und das lachende Auge in der Musik gingen mir sofort ins Blut. Mein anderer Onkel Babo (Ja, er ist ein echter Babo!) sagte immer ich solle Musik wie James Brown machen und mehr aus mir raus gehen. Mein Instrument ist die Stimme und ich liebe den Groove in der Musik, den fetten Bass im Hip Hop. Als ich dann von Novisad zurück nach Deutschland kam, habe ich angefangen all diese Teile zu verbinden, zum Prallasound! Heute erscheint es mir als hätte das alles auf mich gewartet, und es fühlt sich richtig und gut an!
 
Spielst du auch ein Instrument? Und wie entstehen eure Songs?
 
Meine Band hat mir zu meinem Geburtstag ein Saxophon geschenkt, ich lerne immer noch. Bisher spiele ich aber nur „Careless Whisper“ (lacht). Kenan Singoli und ich schreiben die Songs zusammen und erstellen die Pre-Productions. Die Texte entstehen tatsächlich oft in der Nacht, in meinen Träumen. Ich wache dann auf, springe an den Schreibtisch und schreibe ganze Songs oder manchmal auch nur einzelne Verse oder Hooks auf. Im Studio arbeiten Kenan und ich dann an den Songs gleichberechtigt weiter. Was dann letztendlich auf die Platte kommt, entsteht beim Proben, bei den Konzerten und letztlich bei der Arbeit im Studio mit vielen Beteiligten. Ich hatte die Idee zu dieser Musik und gebe die Richtung vor, aber dass am Ende der Prallasound rauskommt ist viel Arbeit. Es braucht viel guten Willen, und ich bin dankbar dass ich mit dieser Band und diesem Team Musik mache darf!
 
Wann kommt euer Album/EP raus und was können wir darauf alles erwarten?
 
An dem Album arbeiten wir schon sehr lang und sehr akribisch. Jetzt am 6. März erscheint erst mal unsere EP "Immigranti". Wir sind alle total aufgeregt und freuen uns die erste Veröffentlichung von Prallasoundsystem vorlegen zu können. Auf der EP sind sechs Titel und ein Remix. Einige Songs wie "America" sind aus der ganz frühen Phase vom Prallasoundystem. Andere sind brandneu, wie "Schuld hat der Alkohol". Den haben Kenan und ich in der Nacht bevor die Band ins Studio kam geschrieben. Am nächsten Tag haben wir ihn aufgenommen und jetzt ist er auf der EP. Die Live Premiere steht also noch aus!
 
Gibt es noch etwas das ihr den Leuten mitteilen möchtet?
 
Wir bedanken uns bei allen unseren Fans, Begleitern, Helfern und Freunden, bei allen Prallas die so lange zu uns gehalten haben und unsere Musik lieben! Vor allem bedanke ich mich bei Max Moody meinem ständigen Begleiter der mich von Anfang unterstützt hat: "Es gibt keine Worte die beschreiben wie dankbar ich dir bin - Unsere Seelen haben sich schon lange vor unsere Geburt verabredet." Wer wartet, den erwartet Gutes! Jetzt kommt die EP und dann die Tour. Prallasoundsystem ist hungrig und wir geben dieses Jahr wieder richtig Gas, gehen unseren Weg weiter und werden hoffentlich noch viele Hörer zum Tanzen und Kopfnicken, zum Genießen und Nachdenken bringen - Jasha Prallas!
 
Danke für das Gespräch. Euch allen weiterhin viel Erfolg mit Prallasoundsystem!
 
 
Das Interview führte Robert Lippuner für Gypsy Music Network

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